Heinrich und das Licht

Also Ihr Vater war Schokoladenfabrikant, hatten Sie gesagt. Der Mann von der Lampenfabrik hatte Heinrich aufgeschrieben, wie es gewesen war, mit seiner geschwungenen Handschrift auf festem, weißen Papier. Damit er vor Gericht nichts vergaß. Durch Ihr Elternhaus hatten Sie Zugang zu gebildeten Kreisen. In Hannover, also der nächstgrößeren Stadt bei Springer, Germany. Richtig?

Heinrich sah seinen Vater vor sich, wie er mit krummen Rücken seinen Handwagen über die Chaussee hinter sich herzog, Tag für Tag. Beladen mit Tischdecken und Töpfen, mit Messgeräten, Gewürzen, Schokolade auch. Von Haustür zu Haustür zog er, von Hof zu Hof, bot seine Waren an. Sie schickten ihn weiter, zum Nachbarn, und er zog. Er zog seinen Handwagen, er zog von dannen, er zog und er zog. Sie jagten ihn vom Hof, den andere Handwagenmänner schon längst mit Tischtüchern und Schalen versorgt hatten. Er zog weiter. Seine Familie musste essen. Er zog und er zog und er zog. Der Hahn war schon alt, was sollte werden, wenn er starb? Er zog. Er zog über die Lande auf der Suche nach Bauern, die seine Schokolade essen wollten. Er zog und er zog. Sie würden einen Hahn kaufen müssen, sonst gäbe es bald keine Küken mehr. Er zog und zog. Keine neuen Hühner, keine Eier. Er zog. Und keine Suppe mehr.

Er zog und er zog und er zog.

 

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